Cannabis gegen Depressionen

Eine Ergänzung zu herkömmlichen Antidepressiva?

Depressionen sind in Deutschland längst eine Volkskrankheit, das bestätigt die Deutsche Depressionshilfe. Über das Jahr 2021 berichtet das “Deutschland Barometer Depression1”, dass jeder*jedem fünften Angestellten schon einmal die psychische Krankheit Depression diagnostiziert wurde. Insgesamt erkranken 16 bis 20 von 100 Personen mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression2. Gleichermaßen alarmierend sind die Zahlen der Suizide sowie der Suizidversuche*: Jährlich nehmen sich in Deutschland etwa 9.200 Menschen das Leben3, also täglich 25 Menschen. Die Zahl der Suizidversuche ist schätzungsweise 15 - bis 20 mal höher. Die Hälfte der Verstorbenen litt zuvor an einer Depression4.

Dass diese Zahlen so hoch sind, könnte daran liegen, dass die Möglichkeiten, Depressionen zu behandeln, begrenzt sind und es den Betroffenen an Antrieb fehlt und sie sich schwer damit tun, sich um ihre Gesundheit zu kümmern.

Doch auch viele der Menschen, die es schaffen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, sind mit der Wirkung ihrer Medikamente nicht zufrieden: Medikamente wirken nicht wie erwartet oder haben Nebenwirkungen, die nicht hinnehmbar sind.

Hier kann medizinisches Cannabis in einigen Fällen eine gute Ergänzung für depressive Patient*innen sein. Seit 2017 dürfen Ärzt*innen in Deutschland unter bestimmten Bedingungen medizinisches Cannabis verschreiben.

Die Kriterien für das Verschreiben von medizinischem Cannabis

Das Gesetz „Cannabis als Medizin5” macht es möglich, dass Ärzt*innen jeglicher Fachrichtung (ausgenommen Tier- und Zahnärzt*innen) Cannabis als Medizin unter bestimmten Voraussetzungen auf einem Betäubungsmittelrezept verordnen können.

Zu diesen Voraussetzungen gehört, dass eine schwerwiegende Erkrankung vorliegt, die als therapieresistent eingestuft wird, bei der keine Standardtherapie zur Verfügung steht oder die Nebenwirkungen der Standardtherapie unzumutbar sind. Nach ärztlicher Einschätzung muss zudem die Chance bestehen, dass sich die Symptomatik durch Medizinalcannabis verbessert.

Was sind Depressionen? Symptome und Formen

Depressionen sind unter den am häufigsten diagnostizierten psychischen Krankheiten. Betroffene leiden dabei an Symptomen, die in abgemilderter Form wohl jede Person schon einmal erlebt hat. Solche kurzen depressiven Episoden gehen meist schnell vorbei. Die Verstimmungen bei einer krankhaften Depression sind wesentlich intensiver und dauern auch länger an.

Die Hauptsymptome einer Depression sind6:

  • Depressive, gedrückte Stimmung: Patient*innen erleben ihre allgemeine Verfassung als niedergeschlagen und fühlen eine andauernde Traurigkeit. Es fällt ihnen schwer, positiv in die Zukunft zu blicken. Einige Betroffene berichten auch von einem Gefühl innerer Leere sowie der Unfähigkeit, überhaupt zu fühlen. Oft sind die Depressionssymptome am Morgen besonders ausgeprägt und bessern sich in den Abendstunden.

  • Verminderung des Antriebs mit erhöhter Ermüdung (oft selbst nach kleinen Anstrengungen) und Aktivitätseinschränkung: Menschen mit Depression haben oft Probleme damit, Dinge anzufangen oder zu Ende zu bringen. Häufig werden bereits das morgendliche Aufstehen sowie die Körperpflege oder der Haushalt zur tagesfüllenden Aufgabe.

  • Interessenverlust und Freudlosigkeit: Dinge, die Patient*innen früher Freude bereitet haben, erscheinen während einer depressiven Episode bedeutungslos. Es fällt erkrankten Personen schwer, Hobbys nachzugehen, weil ihnen die Motivation fehlt und ihnen die Tätigkeit keine Freude mehr bereitet. Das Resultat ist oft sozialer Rückzug, was zu weiteren Problemen führen kann.

Dazu können einige zusätzliche Symptome kommen6:

  • Schlafstörungen: Depressive Patient*innen fällt es oft schwer einzuschlafen oder die ganze Nacht durchzuschlafen. Oft wachen sie am Morgen auch zu früh auf und können nicht mehr einschlafen.

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit: Es fällt den Betroffenen oft schwer, sich zu konzentrieren oder alltägliche Aufgaben und Aktivitäten zu bewältigen, und sie können sich schwer damit tun, Entscheidungen zu treffen.

  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen: Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schwindet mitunter vollständig. Die Wertschätzung der eigenen Person wird immer geringer.

  • Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit: Patient*innen haben das Gefühl, eine Last für ihre Mitmenschen zu sein und geben sich selbst die Schuld für alles, was schiefläuft.

  • Suizidgedanken, Selbstverletzungen oder Selbstmordversuche: Menschen, die an einer schweren Depression leiden, sehen manchmal Suizid als einzigen Ausweg aus ihrem Leid.

  • Verminderter Appetit: Oft folgt aus einem Antriebsmangel und einem geringen Selbstwertgefühl auch Appetitlosigkeit. Betroffene sehen dann keinen Sinn darin, für sich selbst zu sorgen und etwas zu essen oder haben das Gefühl, es nicht zu verdienen.

Es gibt verschiedene Formen und Schweregrade der Depression6:

  • Unipolare Depression: Beschreibt die “klassische” Depression, die Symptome dauern einige Wochen bis zu mehreren Monaten an.

  • Rezidivierende (wiederkehrende) Depression: Sie ist durch Phasen geprägt, in denen depressive Symptomatiken nicht oder weniger ausgeprägt vorhanden sind. Jedoch kehrt die Depression immer wieder zurück.

  • Chronische Depression: Dabei handelt es sich um eine langanhaltende und in der Regel schwankende Depression, die sich über Jahre hinzieht.

  • Bipolare Störung: Eine Sonderform, bei der sich Phasen der extremen Niedergeschlagenheit mit Episoden extremer Aktivität und Manie abwechseln. Die Erkrankung wird als chronisch eingestuft.

Die Schweregrade7 einer Depression werden in leicht, mittelschwer und schwer unterteilt. Wer an einer leichten Depression leidet, kann in der Regel noch nötigen Aktivitäten, zum Beispiel der beruflichen Tätigkeit, nachgehen. Die Personen sind noch in der Lage zur Selbsthilfe. Bei einer mittelschweren Depression ist die Teilnahme am Leben schon stark eingeschränkt.

Schwer erkrankte Personen können kaum oder gar nicht mehr am Leben teilnehmen. Oftmals sind sie auch nicht in der Lage, sich Hilfe zu suchen. Im Laufe der Zeit leidet die Psyche immer mehr, was sich dann auch auf die körperliche Gesundheit auswirkt.

Diagnostik und Behandlung

Wenn du den Verdacht hast, an einer Depression zu leiden, kannst du in einem ersten Schritt deine*n Hausärzt*in kontaktieren. Die weitere Diagnostik findet in der Regel bei einer*einem Fachärzt*in für Psychiatrie statt. Der*die Psychiater*in fragt die Symptome ab und erkundigt sich danach, seit wann sie andauern. Zur genauen Einschätzung kommen oft standardisierte Fragebögen zum Einsatz.

Depressionen, was tun? Psychotherapie und Medikamente

Nach der Diagnose steht die Behandlung an, denn auch wenn es Betroffenen schwerfällt, zuversichtlich in die Zukunft zu sehen: Viele Formen der Depression sind behandel- und heilbar.

Medikamente können der Grundstein für die Genesung sein, schließlich geben sie Patient*innen häufig erst die Kraft, wieder am Alltag teilzunehmen und sich in Therapie zu begeben.

Zu den Ursachen8 einer Depression gehört unter anderem ein Mangel an Botenstoffen, sogenannten Neurotransmittern, die im Gehirn an der Weiterleitung von Informationen beteiligt sind. Diese Botenstoffe heißen Noradrenalin, Dopamin und Serotonin.

Hier setzen die Antidepressiva an, die gegen Depressionen eingesetzt werden. Einige der gängigsten Antidepressiva wirken, indem sie die Rezeptoren der Botenstoffe besetzen und so verhindern, dass der Botenstoff nach der Ausschüttung wieder aufgenommen wird. Andere wirken, indem sie den Abbau von Neurotransmittern hemmen oder ihre Freisetzung erleichtern. Diese Effekte erhöhen die Konzentration der Neurotransmitter im sogenannten synaptischen Spalt, so dass die Übertragung der Nervensignale besser funktioniert.

Weil die Psychopharmaka im Detail unterschiedlich wirken, ist es wichtig, dass die Einstellung von erfahrenen Fachärzt*innen gemacht wird. Während die einen Medikamente aktivierend wirken, beruhigen die anderen.

Neben den positiven Wirkungen von Antidepressiva können auch unerwünschte Wirkungen auftreten. Für einige Patient*innen sind die Nebenwirkungen nicht hinnehmbar und sie müssen deshalb die Dosis verringern oder die Behandlung abbrechen.

​​Die zweite, nicht weniger wichtige Komponente der Behandlung von Depressionen ist die Psychotherapie. Je nach Schwere der Depression kann die Psychotherapie stationär, teilstationär oder ambulant erfolgen.

Cannabis gegen Depressionen

Cannabis gegen Depressionen? Viele Jahre galt der Konsum von THC-haltigem Cannabis als Nährboden für psychische Erkrankungen. Dass der übermäßige Freizeitkonsum von Cannabis sich negativ auf die Psyche der Nutzer*innen auswirken kann, ist auch nach heutigem Stand nicht von der Hand zu weisen. Ein Grund dafür ist, dass der THC-Gehalt von Cannabis vom Schwarzmarkt in der Regel sehr hoch und nicht genau bekannt ist. Dies führt oft zu einer hohen THC-Dosierung, die schwer zu kontrollieren ist. Auch die Reinheit des Cannabis von der Straße wird nicht kontrolliert, so dass die Produkte verunreinigt sein können.

Bei richtiger Anwendung hat medizinisches Cannabis hingegen durchaus das Potenzial, stimmungsaufhellend zu wirken und Patient*innen zu unterstützen. Die Verwendung von Cannabis zur Behandlung von Depressionen hat Robert Burton schon 1621 vorgeschlagen, als er sein Buch "Die Anatomie der Melancholie” veröffentlichte. Auch in Asien und insbesondere in Indien gilt Cannabis seit Jahrtausenden als Quelle des Glücks, da es Freude und ein Gefühl der Freiheit hervorrufen kann.

Aufgrund der Cannabispolitik, die sich nach der zweiten internationalen Opiumkonferenz 1925 etablierte und deren Auswirkungen bis heute spürbar sind, war die Forschung zu medizinischem Cannabis lange Zeit nur eingeschränkt möglich. Deshalb ist die Forschung zu Cannabis als Medizin bis heute unausgereift und die Behandlung erfolgt oft anhand von Erfahrungswerten.

Auch die Verwendung von Cannabis als Antidepressivum befindet sich noch in einem frühen Stadium, und es gibt nur wenige Belege für die Wirksamkeit9,10. Weitere Studien dazu sind nötig. Eine amerikanische Online-Umfrage unter Cannabis-Patienten zeigte jedoch, dass Viele (50,3 %) medizinisches Cannabis gegen Depressionen verwenden. Viele dieser Patienten taten dies jedoch ohne ärztliche Aufsicht oder Anleitung11. Nach Ergebnissen einer Erhebung in Deutschland wurden 2.8 % der Cannabis-Rezepte, deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wurden, aufgrund von Depressionen verordnet12.

Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass Cannabis auch ein Potenzial für depressionstypische Symptome wie Schlaflosigkeit haben könnte9,13.

Die Behandlung mit Cannabis ist auch nicht ohne Nebenwirkungen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Mundtrockenheit, Schwindelgefühl, Konzentrationsschwäche und Müdigkeit.

Wie Canify Clinics helfen kann

Canify Clinics will dich auf deinem Weg zu medizinischem Cannabis unterstützen.  Es ist nach wie vor nicht leicht, Ärzt*innen zu finden, die medizinisches Cannabis verschreiben. Gerade für Menschen mit Depressionen kann die Suche nach einer passenden Praxis eine unüberwindbare Hürde sein. Um dir den Weg zu medizinischem Cannabis zu erleichtern, bietet Canify Clinics auch eine telemedizinische Behandlung an.

Nachdem du dich auf unserem Portal unverbindlich registriert hast, prüfen unsere Ärzt*innen deine Unterlagen und setzen sich zeitnah mit dir in Verbindung, um die weiteren Schritte zu besprechen. Sollte die Behandlung mit medizinischem Cannabis für dich infrage kommen, folgt ein Termin in einer Praxis mit einem*einer unserer Kooperationsärzt*innen. Die Folgetermine können bequem von zu Hause aus stattfinden, im Videotermin besprichst du alles Wichtige mit deiner*deinem Ärzt*in. Nur einmal im Jahr steht dann noch ein Termin vor Ort an – wir helfen dir gern bei der Vorbereitung.



FAQ

Wie kann man eine Depression erklären?

Eine Depression gehört zu den am häufigsten diagnostizierten psychischen Krankheiten. Zu den Symptomen einer Depression gehören unter anderem Niedergeschlagenheit, verminderter Antrieb sowie Interessenverlust und Verlust von Freude. Darüber hinaus leiden Betroffene häufig unter Schlafstörungen, einem geminderten Appetit und suizidalen Gedanken. Betroffenen Menschen fällt es aufgrund der Beschwerden zunehmend schwerer, ihren Alltag zu bewältigen.

Kann Cannabis bei Depressionen helfen?

Die Studienlage für den Einsatz von medizinischem Cannabis bei Depressionen ist noch in einem frühen Stadium und ist daher nur begrenzt aussagekräftig. Weitere Studien sind dringend nötig. Allerdings zeigen einige Statistiken, dass Cannabis häufig bei Depressionen verschrieben wird. Es gibt auch Studien, die den Einsatz von Cannabis bei depressionstypischen Symptomen wie Schlaflosigkeit nahelegen.

Welche medizinische Cannabissorte hilft gegen Depressionen?

Welches Cannabisprodukt für die Beschwerden von Patient*innen am besten geeignet ist, entscheidet der*die behandelnde Ärztin im Einzelfall und in Anbetracht der individuellen Symptome. Es stehen unterschiedliche medizinische Sorten zur Auswahl. Häufig ist es so, dass es eine Zeit lang dauert, bis die individuell richtige Sorte gefunden wird, denn jeder Mensch reagiert anders auf Cannabis als Medizin.

Disclaimer / Rechtliches

Der Artikel dient lediglich dem Zweck der Informationsweitergabe und ersetzt keine medizinische Beratung durch eine*n Ärzt*in. Die Inhalte sollen weder zur Eigendiagnose oder -behandlung motivieren noch zur selbstständigen Änderung der bisherigen medizinischen Behandlung verleiten. Canify Clinics spricht keine Empfehlungen aus und bewirbt auch keine diagnostischen Methoden oder Behandlungen. Solltest du eine Änderung deiner Behandlung wünschen, ist das immer mit einer*m Ärzt*in zu besprechen. Darüber hinaus kann Canify Clinics die Richtigkeit, Aktualität und Ausgewogenheit der Inhalte nicht garantieren. Daher übernehmen sowohl die Autor*innen der Texte als auch Canify Clinics keine Haftung für Schäden, die aus der selbstständigen Anwendung der hier beschriebenen Informationen entstehen.

* Wenn dich Suizid-Gedanken plagen, dann kontaktiere bitte zu jeder Tages- und Nachtzeit die Telefonseelsorge im Internet unter www.telefonseelsorge.de oder über die kostenlose Hotlines 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 oder 116 123. Die Deutsche Depressionshilfe ist unter der Woche tagsüber unter 0800 / 33 44 533 zu erreichen.

Quellenangaben

1. Deutsche Depressionshilfe, “Deutschland Barometer Depression - Stiftung Deutsche Depressionshilfe

2. Bundesministerium für Gesundheit, “Depression | Die Volkskrankheit verstehen - Bundesgesundheitsministerium

3. Deutsche Depressionshilfe, “Suizidalität - Stiftung Deutsche Depressionshilfe

4. Deutsche Depressionshilfe, “Suizidalität - Stiftung Deutsche Depressionshilfe

5. Bundesgesundheitsministerium, “Fragen und Antworten zum Gesetz "Cannabis als Medizin" - Bundesgesundheitsministerium

6. Nationale Versorgungsleitlinien, “2 Diagnostik — Leitlinien.de

7. psychenet - Netz psychische Gesundheit, “Depressionen - psychenet.de

8. Neurologen und Psychiater im Netz, “Depressionen » Ursachen »

9. Bilbao, A. & Spanagel, R. Medical cannabinoids: a pharmacology-based systematic review and meta-analysis for all relevant medical indications. BMC Med 20, (2022).

10. García-Gutiérrez, M. S. et al. Cannabidiol: A Potential New Alternative for the Treatment of Anxiety, Depression, and Psychotic Disorders. Biomolecules 10, 1–34 (2020).

11. Sexton, M., Cuttler, C., Finnell, J. S. & Mischley, L. K. A Cross-Sectional Survey of Medical Cannabis Users: Patterns of Use and Perceived Efficacy. Cannabis Cannabinoid Res 1, 131–138 (2016).

12. Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Absatz 6 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Verschreibung und Anwendung von Cannabisarzneimitteln https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis-als-Medizin/Begleiterhebung/_node.html;jsessionid=C8FE79E517C28C0C0ACFEEDEA12CA3A2.internet282

13. Kuhathasan, N., Minuzzi, L., MacKillop, J. & Frey, B. N. An investigation of cannabis use for insomnia in depression and anxiety in a naturalistic sample. BMC Psychiatry 22, (2022).